Von: CACT Am: 20/09/2016 In: Museo Atlántico

Ein neues Werbevideo vermittelt die persönliche Geschichte der Person, die sich am Bug einer der zentralen Skulpturgruppen des Museo Atlántico befindet, und lädt dazu ein, über die Folgen der Einwanderung im 21. Jahrhundert nachzudenken.

“La Balsa de Lampedusa” ist eines der zentralen Werke im ersten Unterwasser-Museums Europas, dem Museo Atlántico vor Lanzarote, das von Jason deCaires Taylor geschaffen wurde.

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Der englische Bildhauer wollte eine kritische Betrachtung der aktuellen Flüchtlingssituation schaffen, und ließ sich dabei von dem berühmten Gemälde „Das Floß der Medusa“ von Theodore Gericáult inspirieren. Das 1819 entstandene Werk, das heute im Louvre hängt, erzählt, wie die Überlebenden eines Schiffsunglücks an der Westküste Afrikas – nicht weit von Lanzarote – von den Kommandeuren des Schiffes ihrem Schicksal überlassen werden, verdammt dazu, auf einem wackligen Floß, das sie selbst gebaut haben, auf dem Meer zu treiben.

Heute lebt “La Balsa de Lampedusa” von Jason deCaires Taylor auf dem Meeresgrund, von wo das Werk uns von den Problemen der Immigration in unserer heutigen Zeit erzählt, von dem „Aufgeben der Gesellschaft, von Verlust, Verzweiflung und Tod, aber auch von der Hoffnung, von der Gericáult sprach.“

Unter dem Leitspruch “Wir sind alle Einwanderer” erschuf deCaires Taylor ein Floß voller Menschen, die aus verschiedenen Teilen der Welt kommen. Nichts wurde dem Zufall überlassen, die Menschen wurden vom Künstler selbst ausgewählt, um die symbolträchtige Poesie des Ensembles zu erfüllen.

Eines der Modelle, die dem Künstler beim Formen dieses Werks halfen, ist Abdel, ein echter Einwanderer, der von deCaires Taylor ausgewählt wurde, um in aufrechter Haltung ganz vorn im Floß zu sitzen, den Blick auf den Horizont gerichtet, fixiert auf die Hoffnung.

Lampedusa

Abdel kam in einem Holzboot nach Lanzarote, als er noch ein Kind war. Mit nur 12 Jahren fuhr er in Ajun los, auf der Suche nach neuen Möglichkeiten. Er malte und wollte Kunst studieren. Auf der Überfahrt ging der Motor des Bootes kaputt und die Passagiere trieben mehrere Tage auf dem offenen Meer, fast ohne Wasser und Essen, bis ein Thunfischfänger sie aus der Ferne erblickte und ans Land brachte.

Heute, 16 Jahre später, hat Abdel es geschafft, sich auf Lanzarote einzuleben, doch er hat seine Reise nicht vergessen, er weiß, dass viele Menschen, die sich wie er aufmachen, ihr Ziel niemals erreichen.

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